„Gastronom mit Weitsicht“ Michael Stern ist gestorben

„Eine Flasche Wein enthält mehr Philosophie als alle Bücher dieser Welt.“
Louis Pasteur

Anfang Mai ist unser Vorstand Michael Stern nach schwerer Krankheit verstorben. Die Trauerfeier fand in der Kartäuserkirche statt. Rudolf von Borries ist langjähriger Weggefährte von Michael Stern und hat eine berührende Rede gehalten. Treffender können wir unsere Trauer nicht zum Ausdruck bringen, daher veröffentlichen wir die Rede hier in Auszügen:

„Wenn ich heute hier stehe, dann mit einem Herzen, das schwer ist und zugleich erfüllt von tiefer Dankbarkeit. Dankbarkeit für einen Menschen, dem dieses Zitat von Louis Pasteur nicht Dekoration war, sondern Überzeugung. Wein war für Michael Kultur, Genuss, Begegnung. Ein Moment, in dem man innehält, teilt, wirklich miteinander spricht. Und genau so hat er gelebt: mit Tiefe, mit Freude, mit einem Herzen, das offen war für Menschen.
Vor über mehr als 30 Jahren durfte ich ihn kennenlernen in seiner VINTAGE in der Pfeilstraße, Kölns Hotspot in diesen Tagen. Dort trafen sich abends alle, die in der aufstrebenden Medienstadt Köln dazugehörten oder dazugehören wollten. Von Anfang an hat Michael mich als Vollblut-Gastronom beeindruckt, und sehr bald als Geschäftspartner. Irgendwann war es unmöglich, diese Rollen voneinander zu trennen.
Wir haben gemeinsam gearbeitet, gelacht, gestritten und geträumt. Wir haben Erfolge gefeiert und Herausforderungen gemeistert. Und in all diesen Jahren war Michael jemand, auf den man sich bedingungslos verlassen konnte. Nicht manchmal. Immer.
Über 15 Jahre waren wir im KölnSky eng geschäftlich verbunden. Er war loyal, verlässlich, ehrlich. Ein Mann, der zu seinem Wort stand. Einer, der Verantwortung nicht scheute, sondern trug. Einer, der immer da war, wenn man ihn brauchte ohne große Gesten, aber mit großer Wirkung. Wer das einmal erlebt hat, weiß, wie selten das ist. Ich weiß es.
Michael war Gastronom durch und durch. Nicht als Titel, sondern als Berufung. In der Art, wie er einen Raum füllte. In der Art, wie er Menschen empfing und ihnen das Gefühl gab: Hier bist du willkommen. Hier bist du gesehen. Hier wirst Du verstanden.
Sein Herzenswerk, die Cologne Fine Food Days, trägt diese Haltung wie ein Fingerabdruck. Als Mitgründer hat er nicht einfach eine Veranstaltung geschaffen. Er hat einer Stadt beigebracht, was es bedeutet, Essen und Wein mit Leidenschaft, mit Respekt, ja mit Freude zu begegnen. Ich verspreche Dir, lieber Michael, diese Tage werden bleiben und Deine Handschrift fortführen. Michael, Du wirst in den FFDC immer lebendig sein. Auf dem Gelände, an diesem Ort, wo wir heute stehen dürfen, fand und wird hoffentlich auch zukünftig die eröffnende Küchenparty Deiner FFDC stattfinden.
Und dann war da der Wein.
Michael hat gesammelt, verkostet, studiert aber vor allem hat er ihn gefeiert. Gefeiert in dem schönsten Sinne: dass man das Besondere erkennt und es mit anderen teilt. Wenn Michael eine Flasche öffnete, öffnete sich ein neues Universum. Eine Erinnerung. Eine Verbindung. Er wusste, dass im Wein mehr steckt als Geschmack, sondern Geschichte, Geduld, der Geist eines Ortes. Dieses Wissen verändert, wie man trinkt. Wie man lebt. Ich habe das neben ihm lernen dürfenn. Und dieses Wissen war für ihn keine Ansichtssache, es war Haltung.
Es gibt eine Geschichte, die mich bis heute zum Schmunzeln bringt und die Michael besser beschreibt als jedes Adjektiv. Ein Gast, mit allem gebotenen Respekt: ein sehr vermögender Gast aus Osteuropa, hatte einen Tisch im Vintage reserviert und dabei diskret anfragen lassen, ob man zu einem Pétrus auch Cola servieren könne. Einem Pétrus. Michael hat kurz pausiert. Hat die Anfrage in Ruhe zur Kenntnis genommen. Und hat dann die Reservierung storniert. Kein Drama, keine lange Erklärung. Nur diese stille, absolute Überzeugung: Manche Dinge lässt man nicht zu, nicht aus Arroganz, sondern aus Respekt. Respekt vor dem Wein, vor dem Winzer, vor dem, was in einer solchen Flasche steckt. Für Michael war das keine Frage des Prestiges. Es war eine Frage der Integrität
Unseren KölnSKY, drüben auf der anderen Rheinseite im KölnTriangle, haben Michael und Nicole gemeinsam geführt. Was ihr dort aufgebaut habt, ist nicht nur ein geschäftlicher Erfolg. Es ist ein Ort mit Seele. Und Nicole, du weißt besser als jeder andere, was in diesen Jahren dahintersteckte. Was ihr gemeinsam gegeben habt. Michael hat immer von euch gesprochen, von dir, von Max, von Elisabeth, von Johannes und das mit einer Wärme, die alles andere in den Hintergrund rückte. Familie war für ihn kein Teil des Lebens. Sie war sein Fundament…
Ich, wir, Deine Kollegen und alle Mitarbeiter unserer Gruppe verneigen sich vor Dir in tiefer Dankbarkeit – für einen Menschen, der das Leben verstanden hat.“

Victor Hugo, franz. Schriftsteller
„God made only water,
but man made wine.“